Artikel
0 Kommentare

Arbeitsoptimierer

Ganz klar, Frankfurt ist eine immens leistungsgetriebene Stadt. Der Wettbewerb ist in fast allen Bereichen hoch und gefühlt will jeder möglichst viel Geld verdienen. Um dies bequemer zu machen, gibt es immer mehr Veranstaltungen und Tipps, die die Arbeit erträglicher machen sollen, Alternativen anbieten, um Sport und Arbeit noch besser zu verknüpfen, um am Ende nur noch leistungsfähiger zu sein.

Doch warum eigentlich?

Ich verstehe, dass angesichts immer weiter steigender Mieten und Lebenskosten eine Notwendigkeit besteht, das eigene Konto aufzufüllen, aber kann das wirklich alles sein? Anstatt ständig irgendwelche neuen Tricks zu präsentieren, wie man effektiver und mehr arbeiten kann, sollte vielleicht mal darüber nachgedacht werden, wie es Menschen ermöglicht wird, abseits ihrer Werklohntätigkeit noch anderen Interessen nachzugehen, die einen vielleicht eher gemeinschaftlichen Wert haben. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind heutzutage wichtiger denn je, auch weil die herrschende Politik keine Lösungen präsentiert, welche aktuelle Krisen bewältigen könnten. Deutschunterricht ist für viele neue Mitmenschen essentiell, Integration im Sinne wirklicher Verständigung findet nur statt, wenn man lernt, sein Gegenüber zu verstehen, die Eigenarten kennenzulernen. Aus diesem Grund sind auch vermeintlich kleine Dinge, wie ein gemeinsames Abendessen oder das reparieren von Fahrrädern so bedeutend. Doch die Zeit der Menschen ist knapp und wird noch weiter künstlich verengt. Wer sich wundert, dass es heute immer weniger Intellektuelle gibt, die das Meinungsbild der Menschen beeinflussen, dann hängt dies meines Erachtens nicht unwesentlich damit zusammen, dass sich eine Intellektuelle Klasse, die sich nicht zwangsläufig nur aus Wohlhabenderen speist, immer seltener wird. Als Student in Frankfurt wird dies einem regelmäßig vor Augen geführt. Die Einführung von Bachelor und Master waren ein erster Schritt, um kritisches Denken einzudämmen, gibt es doch immer striktere Regeln, ein Studium möglichst bald zu beenden. Dabei ist das Leben eines Studenten weitaus weniger gemütlich, als man sich das vorstellt. Insbesondere in der Mainmetropole muss man nebenbei arbeiten, um sich einigermaßen selbst finanzieren zu können. BAföG bekommt nicht jeder und Stipendien sowieso nicht. Das Studium dann in der Regelzeit abschließen zu können, ist möglich, aber auch nicht wirklich immer sinnvoll, sucht man sich doch dann Seminare aus, die einem nicht gerade den höchsten Arbeitsaufwand aufbürden. Somit hier ebenfalls: Weniger kritisches Denken. Alles ist arbeits-, alles ist leistungsoptimiert. Es gilt zu überlegen, ob es nicht vielleicht lohnenswert wäre, hier anzusetzen.  Wenngleich immer größerer Wert auf Studiengänge wie BWL und Jura gelegt wird, so gibt es in Frankfurt doch – zum Glück – noch eine Reihe wirklich smarter Student_innen, die sich Gedanken um die Zukunft dieses Landes machen und gewillt sind, diese mitzugestalten. Auch einige Professoren und Privatdozenten versuchen, das kritische Denken der Student_innen anzuregen und nicht immer alles als gegeben hinzunehmen. In konsequenter Umsetzung könnte somit auch in Frankfurt etwas passieren. Dies zeigen die wochenlangen Proteste gegen die Pegidistenwahnwichtel um Heidi und ihre Klappspaten. Wie stadtkindFFM letztens schrieb, ist hartnäckiger Protest auch in Sachen Gentrifizierung nicht wirkungslos, aber er muss eben stattfinden. Und so ist es auch möglich, von der Geilheit der Arbeit eine Abkehr zu finden. Zusätzlich müssen wir als Teil der Gesellschaft auch aufhören, die Geringfügig Beschäftigten und Arbeitslosen aus der Gesellschaft zu verbannen, sprich Menschen nur nach ihrem volkswirtschaftlichem Wert zu bemessen. Möglich, dass dies insbesondere in einer geldfixierten Stadt wie Frankfurt, die sich mit Skyline und teurer Mode schmückt, utopisch scheint, aber Geld allein löst eben auch keine Probleme.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.